frei nach Jacques OffenbachBerlinerleben

Neuköllner Oper

Premiere: 15. März 2012

Eine neue Berliner Operette freizügig nach
Jacques Offenbachs "La vie parisienne"
Idee und Inszenierung Hendrik Müller
Arrangement / Komposition Barbara Rucha
Text Kriss Rudolph
Bühne und Video Michael Köpke
Kostüme Sara Kittelmann
Musikalische Leitung Hans-Peter Kirchberg
Omar Janko Danailow /
Manuel Mairhofer
Natascha Sarah Papadopoulou
Alexej Clemens Gnad
Fred Peter Fischbach
Gesine / Annabell Almut Kühne /
Katja Uhlig
Rasmus / Taxifahrer Pavel B. Jiracek /
Kristofer Benn
Kay / Barbara / Frau Zeisig-Neumann Susanne Szell
Rosetta Maria Jamborsky
Emil Victor Petitjean
Klaus Oliver Uden
Josh Laurent Martin

Bei allem Witz ist diese Inszenierung mehr als schenkelklopfende Unterhaltung, nämlich die intelligente Adaption eines Operettenstoffs. Wenn am Ende alle ihr Loblied aufs liberale Berlin singen, tun sie das nicht ungebrochen, die Stimmen werden immer aggressiver, die Bedeutung fängt an zu schillern, ist das wirklich noch Jubel? Wenn man es so macht – das Bissige, Kritische zu betonen, das zur Operette immer dazugehört hat – könnte man sie tatsächlich für die Gegenwart retten.
[Udo Badelt – Der Tagesspiegel, 17. März 2012]

Wie das Genre der Operette der Unterhaltung gilt und den Konsum von leichter Muse, derben Witzen und unterschwelliger bis plakativer Sexualität verspricht, so lässt sich "Berliner Leben" einerseits als Unterhaltung konsumieren und bietet zugleich Konsumkritik. Das ist vielleicht der interessanteste Punkt an der Produktion. Der Konsum als Ideologie spielt in gleichem Maße bei den Touristen, die sozusagen von Außen kommen, wie bei den WG-Bewohnern eine hervorstechende Rolle. Alle wollen konsumieren. Möglichst umsonst oder wenigstens mit Rabatt. Die Ideologie des Konsums ist wahrscheinlich in seiner ambivalenten Erscheinung von Ablehnung und Wunsch das eigentliche Thema von "Berliner Leben". "Berliner Leben" ist nur ein Brennglas für die vorherrschende, globale Ideologie. [...] Abseits der großen Bühnen und der großen Inszenierungen könnte an der Karl-Marx-Straße mit "Berliner Leben" etwas sichtbar werden, das bei dem ganzen Spaß der Operette als Schrecken aufblitzt.
[Dr. Torsten Flüh – nightout@Berlin, 20. März 2012]

Das Berliner Leben - auf der Neuköllner Opernbühne ist das eine Art Karussell, auf dem sich alles ums Party machen dreht - und gefeiert wird bis zum schwindlig werden. Denn Hendrik Müller hat das Stück von Barbara Rucha und Kriss Rudolph auf der Drehbühne des Opernhauses inszeniert - und aus deren zeitgenössischer Operette einen amüsanten Abend gemacht, der dem platten Partytourismus so einige Pointen abgewinnt.
[Barbara Wiegand – inforadio, 16. März 2012]

Das alles ist so lasziv und frivol und derb und brüllend komisch erzählt, dass man sich durchweg königlich amüsiert und doch immer wieder eingefangen wird vom musikalischen Zauber des Originals. [...] Dem Regisseur Hendrik Müller gelingt ein neuer Operettenstil auf der Höhe der Zeit. Das war sein Anliegen: Eine Aktualisierung des verstaubten Originals, die genau das ausdrückt, was - und hier passt das abgenutzte Wort - dem Zeitgeist entspricht. Müller gelingt es, die Freude am Stoff, am Buch, an der Musik und zuallererst an seinen Darstellern in seine Inszenierung zu legen.
[Christina Haberlik – opernnetz.de, 18. März 2012]

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