Claude VivierKopernikus

Opera Factory Freiburg

Premiere: 26. Oktober 2012

Opéra-rituel de mort (1978/79)
Musikalische Leitung Klaus Simon
Inszenierung und Choreographie Hendrik Müller und Juliane Hollerbach
Bühne und Kostüme Lena Lukjanova
Mitarbeit Regie Johann Diel
Coloratura Svea Schildknecht
Sopran Dorothea Winkel
Mezzosopran Uta Buchheister
Alt Barbara Ostertag
Tenor Neal Banerjee
Bariton Ji-Su Park
Bass Florian Kontschak

Man sieht grell stilisierte Gestalten gestikulieren, agieren, sich choreographisch verschränken, sogar akrobatisch zu immer wieder neuen Konfigurationen gelangen. "Rollen" gibt es hier kaum, eher grotesk personifizierte Zustände. Und so, wie bei Claude Vivier Namen von Astronomen, indischer Mythologie, auch Lewis Carroll aufblitzen, ergeben sich in Hendrik Müllers Inszenierung allenfalls en passant Anspielungen auf Abendmahl, Laokoon-Verstrickung oder auf Heath Ledgers rotgeschminkten "Batman"-Joker. Mit einfachen Mitteln werden Sakral-Aura und Fernost-Mystizismus unterlaufen, wird wabernder Kitsch vermieden. Es bleibt beim rituellen Bewegungsspiel, wie auch Hinweise auf den Komponisten und seine Biographie unterbleiben: Gerade die Nicht-Konkretion, das Balancieren auf der "Schwelle" wirkt dringlich.
[Gerhard R. Koch – Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Oktober 2012]

Hendrik Müller und Juliane Hollerbach, die bei dieser anspruchsvollen Produktion der Young Opera Company gemeinsam für Regie und Choreographie verantwortlich sind, geben den Sängerinnen und Sängern nicht nur durch die stark geschminkten Gesichter enorme Expressivität. Alle bewegen sich mit großer Präsenz. Wie Pantomime wirkt diese Bühnensprache, zumal die Texte, die Vivier geschrieben hat, großenteils in einer Fantasiesprache verfasst sind. Müller und Hollerbach inszenieren die Musik, den Gestus, die Energie. Jeder noch so kleinen musikalischen Figur wird Gewicht gegeben.
[Georg Rudiger – Opernwelt, 1/2013]

Eine aufgebaute Bühne, Stühle und ein Tisch, die niemand befreit hat von der weißen Malerfarbe, Insignien der Abnutzung aller Dinge, das sich andeutende Zurückfallen in die einzelnen Segmente, die unsere eigene Auflösung vor Augen führen. Nichts ist heil in dieser Welt, nichts gänzlich ausgelöscht. [...] Kommunikation, die gerinnt und in Tableaus zum Stillstand kommt. Ängste, Entsetzen, das in die Gesichter gemalt ist, die so in Michelangelos Höllenmalereien der Sixtinischen Kapelle erscheinen. Physikalisches Weltwissen, das die Illusionen der Religion zerstört, die kopernikanische Wende auf dem Gebiet der Transzendenz. Die tödliche Blässe, die noch nicht alle erfasst hat. Liebe, die sistiert, Umarmungen, die von einer Nähe erzählen, die nicht wärmt, die lediglich aus der Gleichheit in der Verlorenheit rührt. [...] Hendrik Müller und sein Gespür für seelische Zwischenwelten, seine strenge Choreografie, seine minimalistische Ausstattung, seine exzellente Auswahl der Sängerinnen und Sänger, seine Sicherheit für jeden Blick, jede Geste und Mimik, sein Entschlüsseln der Hieroglyphen des Todes sorgen dafür, dass die Aufführung ein großes Ereignis wird.
[Frank Herkommer – opernnetz.de, 31. Oktober 2012]

Auf der erhöhten Bühne scheinen die Protagonisten wie in Zeitlupe zu schweben. Es ist der Ort, in den wir im Augenblick des Todes eintreten. Eine strenge Choreografie herrscht hier, in der sich die Figuren unablässig umeinander bewegen. Der Regisseur, der sich einfacher, aber wirkmächtiger Elemente bedient, wagt eine Deutung, lässt aber ebenso Raum für die Phantasie des Publikums.
[Georg Waßmuth – Deutschlandfunk, 2. November 2012]

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