Antonio VivaldiTito Manlio

Theater Heidelberg (Rokokotheater Schwetzingen)

Premiere: 14. Dezember 2008

Musikalische Leitung Michael Form
Inszenierung Hendrik Müller
Bühne und Kostüme Claudia Doderer
Tito Manlio Sebastian Geyer
Manlio Mariana Flores
Vitellia Rosa Dominguez
Servilia Angela Kerrison
Lucio Jana Kurucová
Lindo Gabriel Urrutia Benet
Decio Yosemeh Adjei
Geminio Lucas Vanzelli

Ein hochästhetisches Bühnenbild, eine schräg in den Raum gestellte Wand, die durch raffiniertes Licht in unterschiedlichen Farben leuchten kann, plötzlich eine Öffnung freigibt und wieder verschwinden lässt - zauberisch wirkt das alles und doch auch erschreckend, denn der Regisseur Hendrik Müller zeigt, wie erbarmungslos Menschen miteinander umgehen können.
[Thomas Rothkegel - SWR, 13. Dezember 2008]

Die Herbstmeister der Oper. Ein Abend voller Überraschungen: Das Heidelberger Theater gewinnt sängerisch, szenisch und musikalisch. Ein Glücksfall, wie man ihn selten hat und den nur ein Wermutstropfen trübt: die Aufführung ist mit dreieinhalb Stunden entschieden zu kurz! Regisseur Hendrik Müller nahm das Stück ernst, entschlackte die Handlung im ästhetisch reizvollen, funktional-geometrischen Bühnenbild von Claudia Doderer.
[Matthias Roth - Rhein-Neckar-Zeitung, 16. Dezember 2008]

Roms Sendung - das äußerste zu geben im permanenten Kampf um die Weltherrschaft - wird durch diese Vivaldi-Oper nicht sympathischer. Der Regisseur Hendrik Müller beschönigt den Fanatismus nicht, mit dem die Römer vom Schlage dieses Titus sich die Welt untertan machten.
[Frieder Reininghaus - Deutschlandradio Kultur, 16. Dezember 2008]

In diesem Rom wird auch nichts mehr gut, zu korrumpiert ist die ganze Gesellschaft. So ist es denn auch nur konsequent, dass die Heidelberger Regie von Hendrik Müller am Ende eine Frauenfigur einführt, die in der Kerkerszene des Manlio noch eine blasphemische Spielart der Gottesmutter Maria abgab, im Finale aber zur Todesbotin des Konsuls wird. Dessen Zeit ist abgelaufen, immer derangierter wird sein Kostüm. Musik und Regie erzählen die Geschichte eines Zerfallsprozesses, [...] womit etwas gelingt, was es in der Barockoper [...] gar nicht geben darf: die psychologische Entwicklung einer Person. Nicht zuletzt darin liegt die Aktualität dieser Oper, die auch von der Regie in Schwetzingen sinnfällig vermittelt wird.
[Frank Pommer - Die Rheinpfalz, 16. Dezember 2008]

Das übliche Durcheinander barocker Libretti, das Regisseur Hendrik Müller und seine Ausstatterin Claudia Doderer durch einprägsame Szene, kühles Bühnenbild in geometrischer Mauer mit Klappenöffnungen und griffige Kostümierung ordnen, dabei aber auch konsequent Entwicklungen zeigen, etwa in der Figur der Servilia. Die wird, auch optisch, von der unbedarften Naiven zur starken Frau mit seelischer Größe. Reifer hingegen Vitellia, die der Jugendblüte Zigaretten rauchend Abgefeimtheit entgegensetzt. Was sagt uns diese Vivaldi-Inszenierung heute innerhalb des Heidelberger Generalthemas „Kampf um Frieden“? Vor allem der innere Friede ist bedroht, wenn Staatsraison über Menschlichkeit gestellt wird. Die Zeitgeschichte ist gespickt von diesem Zwiespalt. Und eigentlich wollen wir Politiker, die mit markig ausgestülptem Kinn irgendetwas wie „Der Staat ist nicht erpressbar“ quasseln und dafür Menschen opfern, nicht mehr sehen. Das Publikum war ebenso beeindruckt wie begeistert.
[Eckhard Britsch - Opernnetz, 17. Dezember 2008]

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